Expertenwissen

So planen Sie das Bad barrierefrei

10 wichtige Punkte zu Türen, Dusche, WC, Lüftung und Beleuchtung

Ihre Vorstellungen für das barrierefreie Bad sollten Bauherren möglichst mit einem Architekten durchsprechen. Er übersieht die Funktion als Ganzes und hat einen Blick fürs Detail. Außerdem kann er Auskunft über die Kosten geben. Bauingenieur Günter Kohlbecker erklärt, was Bauherren bei der Planung eines barrierefreien Bades berücksichtigen müssen.

Barrierefreies BadBild größer anzeigen
Ein barrierefreis Bad ist kein Luxus! Über das Plus an Komfort freut sich die ganze FamilieFoto: ZVSHK
Duschrinne mit BeleuchtungBild größer anzeigen
Ästhetik und Barrierefreiheit schließen sich nicht aus: Duschrinne mit Designrost aus Edelstahl und rotem BeleuchtungsmodulFoto: ACO Haustechnik

Ein Blick in die DIN 18040-2, die Norm für Barrierefreiheit, zeigt, was ein barrierefreies, rollstuhlgeeignetes Bad erfüllen muss. Dabei geht es nicht nur um die Größe des Bades, sondern auch um Ausstattung und Anordnung der Sanitärobjekte und Bedienungsvorrichtungen. Dennoch spielt der Platz auch eine Rolle: So sind vor dem WC, dem Waschbecken und für die Dusche 120 x 120 Zentimeter große Bewegungsflächen notwendig, die sich allerdings überlagern dürfen.

Diese 10 Punkte sind darüber hinaus beim barrierefreien Bad besonders wichtig:


1. Tür mit Mindestbreite 90 Zentimeter und nach außen aufschlagend
Um mit einem Rollstuhl bequem durchfahren zu können, sind 90 Zentimeter breite lichte Öffnungen nötig. Bauherren sollten also darauf achten, dass die Tür zum Bad breit genug geplant wird. Darüber hinaus sollte die Tür im barrierefreien Bad nach außen aufschlagen und im Notfall auch von außen zu öffnen sein, denn ein Bewohner kann im Bad so unglücklich stürzen, dass sich die Tür sonst nicht öffnen lässt. Eine Alternative kann der Einbau einer Raumspartür sein. Bei ihr hat das Blatt im Drittelspunkt ein Gelenk, dadurch steht das Blatt nur zum Teil in den Raum hinein.

2. Mechanische Entlüftung des Bades

Auch wenn das Bad ein Fenster hat, sollte eine mechanische Entlüftung eingeplant werden. Die Steuerung erfolgt über den Lichtschalter mit Nachlaufrelais und einen Zugschalter.

3. Unterfahrbares Waschbecken
Ein mit dem Rollstuhl unterfahrbares Waschbecken ermöglicht auch Rollstuhlfahrern die eigenständige Nutzung des Bades. Um die Unterfahrbarkeit zu ermöglichen, kommt ein Unterputz- oder Flachaufputzsiphon zum Einsatz.

4. Bodengleiche Dusche
Eine bodengleiche Dusche ohne störende Schwellen ist im Neubau heute schon Standard. Im Bereich der bodengleichen Dusche sind Fliesen mit hoher Rutschfestigkeit empfehlenswert (Klasse R11).

5. Temperaturbegrenzer an den Wasserzapfstellen
Damit soll ein Verbrühen vermieden werden. Bauherren sollten den Heizungsinstallateur um einen Vorschlag bitten. 

6. WC in Höhe einstellbar

Ein wandhängendes WC kann in der Höhe mit geringem Aufwand verändert werden. Stützgriffe auf beiden Seiten lassen sich auch später nachrüsten.

7. Rutschfester Bodenbelag im Bad
Je rauer die Fliese, desto geringer ist die Gefahr des Ausrutschens. Bei der Rutschfestigkeit kann man sich an den Vorgaben der Berufsgenossenschaften orientieren, sie fordern in Bädern im öffentlichen Bereich R10, diese Klassifikation ist jedem Fliesenleger vertraut und kann in Fliesenausstellungen erfragt werden. Allerdings: Je rauer die Fliese, desto höher ist der Aufwand beim Reinigen.

8. Verstärkte Heizleistung wegen des erhöhten Wärmebedarfs
Jeder kennt das leichte Frösteln verbunden mit einer Gänsehaut, wenn er aus der Badewanne steigt oder aus der Dusche kommt. Ein wohltemperiertes Bad ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Gerade ältere Menschen, die leichter zum Frieren neigen, und auch eingeschränkte Bewohner, die länger für die Körperpflege brauchen, wissen das genauso wie junge Familien zu schätzen. Deshalb sollten Bauherren eine entsprechende Heizleistung im Bad mit dem Heizungsinstallateur besprechen.

9. Elektroschalter 85 Zentimeter über dem Fußboden
In dieser Höhe sind die Schalter vom Rollstuhl aus - auch von Kindern - einfach zu erreichen.

10. Die richtige Bad-Beleuchtung
Eine wesentliche Erleichterung beim Benutzen des Bads kann mit einer Verstärkung der Beleuchtung erzielt werden. Vorteilhaft ist eine möglichst gleichmäßige indirekte Beleuchtung, die keine Schlagschatten wirft, beispielsweise durch neben dem Spiegel zusätzlich installierte Leuchten, wie sie in Garderoben von Schauspielern üblich sind. Die Leuchtmittel sollten ohne großen Aufwand auszutauschen sein. Andere Arten zum Ausleuchten des Raums setzen sich bei Bädern des gehobenen Standards durch. Bei bodengleichen Duschen kann die Beleuchtung der Rinne nicht nur eine weitere Hilfe beim Benutzen sein, sondern auch den Raum optisch erheblich aufwerten. Der Einbau von Lichtfliesen (als Einzelfliesen oder umlaufendes Fries) ermöglicht eine diffuse Beleuchtung des Bades. Die Beleuchtung erfolgt jeweils mit LED Leuchten. Sie werden mit 24 Volt betrieben, die Lage des Transformators ist so zu wählen, dass er mit Luft umspült wird. Bei Lichtrinnen und -fliesen ist eine enge Zusammenarbeit von Fliesenleger und Elektriker nötig.

 
 
 
Quelle: Günter Kohlbecker / aktion pro eigenheim
 
 
 
 

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