Redaktions-Tipp

Frist für Grundsteuererklärung bis 31. Januar 2023 verlängert

Die wichtigsten Informationen zur Grundsteuer-Reform

Zum 1. Januar 2025 wird die neue Grundsteuer in Kraft treten. Statt der bisherigen Einheitswerte werden dann in den meisten Bundesländern die Grundsteuerwerte der Besteuerung zugrunde gelegt, in einigen Bundesländern nur die Fläche. Was für Eigentümer jetzt schon wichtig ist: Sie müssen bis zum 31. Januar 2023 eine Steuererklärung abgeben! Die wichtigsten Informationen zur Grundsteuer-Reform.

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Nach der Grundsteuer-Reform gelten ab 2025 in den Bundesländern unterschiedliche Regelungen

Foto: Pixabay / Bru-nO

Update 14.10.2022: Die Finanzministerder Bundesländer haben sich am 13.10.2022 auf eine Fristverlängerung geeinigt: Eigentümer haben bis zum 31. Januar 2023 Zeit, ihre Grundsteuererklärung abzugeben. Eine weitere Fristverlängerung soll es aber nicht geben.

Update 7.10.2022: Weil das Ende der Abgabefrist naht, bisher aber viel zu wenig Steuererklärungen bei den Finanzämtern eingegangen sind, soll es noch im Oktober Gespräche der Länder für eine eventuelle Fristverlängerung geben. Baden-Württemberg räumt Eigentümer.innen schon jetzt mehr Zeit ein, das Finanzministerium des Landes veröffentlichte am 6.10.2022 eine Erklärung zur Abgabefrist. Demnach gilt: Wer seine Erklärung bis Ende Oktober noch nicht abgegeben hat, sollte das unverzüglich bis Jahresende nachholen. Erinnerungen für die Grundsteuer B versendet das Finanzamt dann erst im ersten Quartal 2023.

3 wichtige Tipps für die Grundsteuererklärung in ELSTER

Tipp Nr. 1: Quadratmeterzahl richtig angeben
Für die Berechnung der Grundsteuer für Wohngrundstücke benötigt das Finanzamt die genaue Quadratmeterzahl der Nutz- und Wohnfläche. Die Wohnfläche ist nach der Wohnflächenverordnung (WoflV) zu ermitteln, die Nutzfläche nach der DIN 277. Nach der WoflV wird bei Flächen unter Dachschrägen, bei Schwimmbädern und unbeheizten Wintergärten die Quadratmeterzahl halbiert, bei Balkonen und Terrassen geviertelt. Treppen mit mehr als drei Stufen werden nicht berücksichtigt. Zusätzlich gibt es einige Räume, die bei der Grundsteuererklärung nicht zu berücksichtigen sind, da sie nicht als Wohnräume identifiziert werden. Dies sind zum Beispiel Kellerräume, Waschküchen, Heizungsräume und Abstellräume.

Tipp Nr. 2: Die Frage nach der Kernsanierung
Vor allem bei älteren Gebäuden können viele Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahren angefallen sein. Bei einer Kernsanierung, die zu einer längeren Nutzungsdauer führt, erhöht sich der Wert des Objekts, was zu einer Erhöhung der Grundsteuer führt. Eine Kernsanierung liegt er dann vor, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

Neues Dach und neue Fassade inkl. Dämmung
+ neue Fenster, Türen und Fußböden
+ neuer Innenausbau
+ neue Heizungsanlage sowie neue Sanitär- und Elektroinstallationen
Sind nicht alle Maßnahmen durchgeführt worden, liegt keine Kernsanierung vor.

Tipp Nr. 3: Der korrekte Bodenrichtwert
Der Bodenrichtwert wird auf Länderebene ermittelt und kann einfach nachgeschlagen werden. Eine entsprechende Übersicht bietet die zentrale Anlaufstelle auf www.bodenrichtwerte-boris.de. Dort werden die einzelnen Richtwerte der Bundesländer zusammengetragen.


Wer muss die Steuererklärung für die Grundsteuer machen?

Jeder Eigentümer ist für die Steuererklärung selbst verantwortlich, bei Eigentumswohnungen der einzelne Eigentümer, nicht der WEG-Verwalter. Die Steuererklärung muss vom 1. Juli bis spätestens Ende Oktober 2022 abgegeben werden, und zwar elektronisch über das ELSTER-Portal. Eigentümer:innen haben dafür Post von ihrem Finanzamt bekommen. Papierformulare soll es nur in Ausnahmefällen geben.

Wer kann bei der Steuererklärung helfen?
Eigentümer:innen können professionelle Hilfe durch Steuerberater:innen in Anspruch nehmen, sollten aber unbedingt rechtzeitig alle Unterlagen zusammenzutragen. Denn der Andrang wird groß sein und die Abgabefrist ist mit vier Monaten knapp bemessen.Lohnsteuerhilfevereine haben keine Beratungsbefugnis, viele Beratungsstellen bieten allerdings Kooperationen mit Steuerberatern zu Sonderkonditionen an.

Welche Angaben müssen Eigentümer:innen machen?
Welche Daten in der Steuererklärung angeben werden müssen, hängt davon ab, in welchem Bundesland das Grundstück liegt. Denn nach der Grundsteuer-Reform gelten in Deutschland nicht überall die gleichen Regelungen. Der Bundesgesetzgeber hat zwar ein so genanntes Bundesmodell erlassen, nach dem der Wert des Grundstücks maßgeblich ist. Dem haben sich aber nur die Länder Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen angeschlossen. Die übrigen Bundesländer haben eigene abweichende Gesetz erlassen, bei denen teilweise der Wert des Grundstücks nicht maßgeblich ist.

Wie geht es nach der Steuererklärung weiter?
Bis Ende 2023 sollen Eigentümer:innen für die meisten Fälle die Grundsteuerwertbescheide auf Basis der abgegebenen Erklärungen erhalten. Wichtig: Bei Unstimmigkeiten kann innerhalb eines Monats gegen diesen Wertbescheid Einspruch eingelegt werden, also den Bescheid sofort genau prüfen!

Im zweiten Halbjahr 2024 sollen die Messbetrags- und die Grundsteuerbescheide erstellt werden und die Kommunen legen die neuen Hebesätze fest. Ab dem 1. Januar 2025 darf nur noch auf Grundlage der neuen Bewertung Grundsteuer gefordert werden.

Welcher Grundstückswert gilt: Ertragswert
Wenn das Grundstück in einem der Bundesländer liegt, in dem der Wert des Grundstücks maßgeblich ist, kommt es darauf an, ob dieser Wert im Sachwertverfahren oder im Ertragswertverfahren zu ermitteln ist. Im Ertragswertverfahren werden Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser und Mietwohngrundstücke bewertet. Dabei handelt es sich um Grundstücke, die zu mehr als 80 Prozent Wohnzwecken dienen.

Damit das Finanzamt den Wert des Bodens ermitteln kann, sind zunächst der Bodenrichtwert und die Größe des Grundstücks anzugeben. Merkmale des einzelnen Grundstücks wie Ecklage und Zuschnitt bleiben unberücksichtigt. Außerdem müssen Gemarkung und Flurstück angegeben werden.

Der Ertragswert des Gebäudes wird nicht anhand der tatsächlichen Mieten und der tatsächlichen Betriebskosten errechnet, sondern auf der Grundlage statistischer Durchschnittswerte. Das Gebäude muss in eine Baualtersklasse (Baujahr bis 1948, 1949 bis 1978, 1979 bis 1990 und 1991 bis 2000 und ab 2001) und die Wohnungen in Größenklassen (unter 60 m², 60 bis unter 100 m² und 100 m² und mehr) eingeordnet werden. Für Wohnungseigentum gelten dieselben Nettokaltmieten wie für Mietwohngrundstücke. Für einen Garagenstellplatz (Einzelgarage, Tiefgarage) wird die Nettokaltmiete mit einem Festwert von 35 Euro angesetzt.

Welcher Grundstückswert gilt: Sachwert
Im Sachwertverfahren werden Grundstücke bewertet, die zu 80 Prozent oder mehr betrieblichen oder öffentlichen Zwecken dienen. In diesen Fällen ist die Ermittlung der erforderlichen Daten etwas schwieriger. Zunächst muss auch hier die Größe des Grundstücks und der Bodenrichtwert angegeben werden. Zusätzlich ist die Gebäudeart, das Baujahr und das Jahr der Fertigstellung einer etwaigen Kernsanierung anzugeben. Außerdem wird die so genannte Brutto-Grundfläche benötigt. Dabei handelt es sich um die Summe der nutzbaren Grundflächen aller Grundrissebenen des Bauwerks und deren konstruktive Umschließungen. Dieser Wert liegt den meisten Eigentümern bisher nicht vor. Da bei der Ermittlung besondere Regeln zu beachten sind, wird damit in der Regel ein Sachverständiger beauftragt werden müssen.

Was passiert in den Bundesländern, die nicht dem Bundesmodell folgen?
Bei Grundstücken in den Bundesländern, die das Bundesmodell nicht übernommen haben, gelten die jeweiligen Landesgesetze. In den meisten dieser Länder sind lediglich Angaben über die Flächen des Grundstücks und des Gebäudes und die Lage des Grundstücks erforderlich. Die in den Ländern Saarland und Sachsen erlassenen Grundsteuergesetze folgen weitgehend dem Bundesmodell und verlangen ebenfalls eine Wertermittlung.

Baden-Württemberg
Baden-Württemberg hat ein so genanntes modifiziertes Bodenwertmodell eingeführt. Dabei spielt nur der reine Bodenwert des Grundstücks eine Rolle. Es kommt auf die Grundstücksfläche und den Bodenrichtwert an.

Bayern
Bayern hat ein reines Flächenmodell eingeführt. Der Wert des Grundstücks und des Gebäudes spielt keine Rolle.

Hamburg
Hamburg hat eine so genanntes Wohnlagemodell eingeführt. Maßgeblich ist dabei die Fläche des Grundstücks, die Nutzfläche des Gebäudes sowie die Wohnlage. Die Einordnung der Wohnlage orientiert sich an dem Mietspiegel, der die Grundstücke in normale und gute Wohnlagen einteilt.

Hessen
Hessen hat ein so genanntes Flächen-Faktor-Modell eingeführt. Das Modell folgt im Prinzip dem Flächenmodell des Landes Bayern, ergänzt dieses aber um einen lagebezogenen Faktor.

Niedersachsen
Das Land Niedersachsen hat eine Fläche-Lage-Modell eingeführt. Es entspricht weitgehend dem Modell des Landes Hessen.

Saarland
Das Saarland hat zwar ein eigenes Grundsteuergesetz erlassen. Dieses folgt aber inhaltlich weitgehend dem Bundesmodell und weicht lediglich hinsichtlich der Steuermesszahl von dem Bundesmodell ab.

Sachsen
Das Land Sachsen hat ein so genanntes Nutzungsartmodell eingeführt. Es entspricht weitgehend dem Bundesmodell, sieht aber für verschiedene Nutzungsarten unterschiedliche Steuermesszahlen vor.

 
 
 
Quelle: IVD / Haus & Grund / Verbraucherzentrale
 
 
 
 

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